Der Saupfergbuckel, eine Binnendüne (Foto: NABU Baden-Württemberg · Gunter Glasbrenner )

Lebensader Oberrhein: Wandertour als Rundweg durch die Südliche Schwetzinger Hardt

Eine sehr abwechslungsreiche Rundtour an interessante Orte und in verschwiegene Winkel der „Schwetzinger bzw. Hockenheimer Hardt“. Die Route erzählt die Geschichte des Waldes und beleuchtet die ihm eigene Vielfalt des Lebens. Die Hardt ist ein besonderes Waldgebiet, denn sie birgt in ihrem Innern eindrucksvolle Zeugen der Landschaftsgeschichte unseres Raumes: das größte zusammenhängende Dünengebiet in Baden-Württemberg mit über 21 m hohen Dünenzügen. Die Route ist für Ausflüge zu Fuß oder mit dem Fahrrad gleichermaßen gut geeignet. Ein echter Ziehbrunnen mit der Möglichkeit Wasser zu schöpfen, eine Waldweidefläche mit Ziegen und Schafen oder aber ein Wasserbiotop mit vielen interessanten Wassertieren macht den Rundweg insbesondere für Kinder sehr attraktiv.


Schwierigkeit

leicht


Strecke

6,0 km


Dauer

1:26 h


Aufstieg

6 m


Abstieg

6 m

Der Saupfergbuckel, eine Binnendüne (NABU Baden-Württemberg)

Der Saupfergbuckel, eine Binnendüne

Ketscher Weg im Herbst (NABU Baden-Württemberg)

Ketscher Weg im Herbst

der Kuhbrunnen (NABU Baden-Württemberg)

der Kuhbrunnen

Waldidyll Vespersuhle (NABU Baden-Württemberg)

Waldidyll Vespersuhle

eine ehemalige Waldweide (NABU Baden-Württemberg)

eine ehemalige Waldweide

Tippgeber dieser Tour ist Gunter Glasbrenner (NABU Baden-Württemberg)

Tippgeber dieser Tour ist Gunter Glasbrenner


Start

Parkplatz am Schützenhaus, Am Rennplatz 1, 69190 Walldorf


Ziel

Parkplatz am Schützenhaus, Am Rennplatz 1, 69190 Walldorf


Wegbeschreibung

Start- und Zielpunkt der Tour ist der Parkplatz am Reitverein bzw. Schützenhaus in Walldorf. Für unsere Rundtour wählen wir den Waldweg nach Norden, entlang des Zaunes, der das Schießgelände umgibt.

Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10-12.000 Jahren haben die vorherrschenden Westwinde aus dem weitgehend vegetationsfreien Schotterbett des Rheins den reichlich vorhandenen Sand ausgeweht und hier in der „Schwetzinger Hardt“ in ausgedehnten Flugsanddecken und Dünengürteln abgelagert und aufgetürmt. Schon nach wenigen Metern ist eine solche Düne durch unseren Weg angeschnitten und die Mächtigkeit dieser Dünen erkennbar.

Bei genauerem Hinsehen erkennt man – teilweise direkt am Wegesrand – die für Sandstandorte typische Vegetationsgemeinschaft wie Sand-Vergissmeinnicht, Hungerblümchen oder Sand-Hornkraut. Die zahlreich vorhandene Zypressen-Wolfsmilch ist mit ihren großen Blütendolden ein besonderer Anziehungspunkt für Insekten, denn die weit geöffneten Blüten bieten eine gute Landefläche und sind besonders nektarreich. Mit etwas Glück kann man hier den Wolfsmilchschwärmer beobachten, eine eindrucksvolle, große und farbenprächtige Schmetterlingsart.

Nach ca. 500 Metern kommen wir an eine Wegkreuzung. Hier biegen wir nach links in den „Alten Schwetzinger Weg“ ab. Dieser Weg diente den Walldorfer Bürgern Jahrhunderte lang als kürzeste Fußverbindung nach Schwetzingen. Auch hier, direkt an der Kreuzung, wurde durch die Anlage eines Holzlagerplatzes eine Düne angeschnitten.

Schon nach wenigen Metern Fußweg durchschneidet der Waldweg abermals eine mächtige Sanddüne. Ihr Name „Hinterer Saupfergbuckel“ erinnert daran, dass man schon ab dem Mittelalter Schweine zwecks Nahrungsaufnahme und mangels Stallungen in den Wald eingetrieben hat.

Auf der Kuppe dieser Düne wurden im Winter 2014 in 2 Teilbereichen in Zusammenarbeit zwischen NABU und Forstverwaltung auf knapp einem Hektar offene Sandlebensräume geschaffen. Heute sind solche Sandflächen Mangelware, denn viele wurden bewusst aufgeforstet. So haben typische Arten wie die Sandstrohblume oder der Sandlaufkäfer ihre Lebensräume verloren und sind z.T. extrem selten geworden. Durch den Auszug der Gehölze und die Wiederherstellung lichter Wälder sowie offener Sandflächen sollen die charakteristischen Tier- und Pflanzenarten wieder Raum und Ruhe finden, um sich entwickeln zu können.

Machen Sie einen kleinen Abstecher, steigen Sie auf die baumfreie Düne. Sie werden neben einem schönen Rundblick – insbesondere im Sommer – sehr schnell erkennen, dass hier vollkommen andere klimatische Bedingungen herrschen, als im beschatteten Wald.

Nur ca. 200 Meter westlich befindet sich der „Vordere Saupfergbuckel“, der mit knapp 116 Metern Höhe den höchsten Punkt der Walldorfer Gemarkung darstellt.

Der „alte Schwetzinger Weg“ führt nach weiteren ca. 250 Metern auf den asphaltierten „Reilinger Weg“. Er wird von vielen - hauptsächlich älteren Mitbürgern - auch als „Kohlenrichtstatt“ bezeichnet, denn in früheren Jahrhunderten hatten Köhler ihre Kohlenmeiler entlang dieses Weges errichtet und betrieben. Wir biegen nach links, oder besser nach Westen ab, und gelangen nach wenigen Metern an die „Vesperhütte“. Hier kann in aller Ruhe eine kleine Pause, vielleicht verbunden mit einem kleinen Picknick, eingelegt werden. Bei Regenwetter bietet eine Überdachung Schutz vor Wind und Regen.

Auf unserem weiteren Weg nach Westen liegt nach ca. 200 Metern rechter Hand der „Bannwald Kartoffelacker“. Neben dem seit 1412 beurkundeten Eintrieb von Schweinen und Vieh fand hier auch Ackerbau innerhalb des Waldes statt. Daher auch der Name „Kartoffelacker“. Bannwälder sind Totalreservate, die sich zum „Urwald von morgen“ entwickeln sollen. Der „Bannwald Kartoffelacker“ wurde 1970 ausgewiesen und hat eine Größe von 16 Hektar. Schon jetzt sind 81 Arten von Moosen und über 380 Großpilzarten nachweisbar. Viele davon gelten als bundesweit gefährdet und stehen auf der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten Arten.

Wir laufen weitere ca. 300 Meter auf dem asphaltierten Weg und gelangen an eine markante Wegspinne. Hier liegt linker Hand die „Vespersuhle“ mit einer einladenden Sitzgarnitur inklusive Tisch. Natürliche, stehende Gewässer sind aufgrund des durchlässigen, kiesig-sandigen Untergrunds nicht vorhanden. Trotzdem gibt es in der „Hardt“ - Hardt ist übrigens ein uraltes germanisches Wort für Waldweide - künstlich angelegte Gruben, die bis unter das Grundwasser reichen. Sie wurden vor langer Zeit aus Mangel an natürlichen Gewässern als Viehtränken wie die „Vespersuhl“, aber auch als Ziehbrunnen zur Versorgung der in den Wald eingetriebenen Tiere mit Wasser angelegt. Diese Gewässer stellen eine große Bereicherung der Biotopvielfalt im Wald dar. In der „Vespersuhle“ gibt es eine vom Aussterben bedrohte Wasserpflanzenart, an den Ufern wachsen Grauweiden, Salweiden, gelbe Schwertlilien und Sumpf-Helmkraut. Amphibien wie die Gelbbauchunke, die Erdkröte, die Kreuzkröte, Kamm- und Bergmolche kommen zum Laichen hier her. Sogar der pfeilschnelle Eisvogel kann hier gelegentlich beim Jagen beobachtet werden.

Wenige Altkiefern rund um die Suhle weisen noch Spuren einer alte Form der Waldnutzung auf: Kiefernstämme wurden fischgrätenartig angeritzt, um Harz zu gewinnen. Der Harz wurde vor allem zur Herstellung von Lacken, Farben, Klebstoffen und Schmiermitteln eingesetzt. Da das Harz in Kriegszeiten eine wichtige Rohstoffquelle war, wurde die Harzgewinnung erst 1950 vollständig eingestellt.

Wir verlassen die „Vespersuhle“ und begeben uns auf den Schotterweg, der halblinks Richtung Reilingen führt.

Eine mitten im Wald befindliche Schranke weist uns nach 600 Metern darauf hin, dass wir nun den Staatswald verlassen und uns in den Stadtwald Walldorf begeben. Wir befinden uns nun im „Schonwald Reilinger Eck“. Ungefähr 150 Meter nach der Schranke treffen wir erneut auf eine ansprechende, runde Schutzhütte.

An diese Hütte grenzt jetzt auch noch der Gemeindewald Reilingen an. Deshalb kann man rund um die Hütte und am Wegesrand noch alte Grenzsteine finden, auf denen für Walldorf das Hufeisen und für Reilingen der Hase als Wappentier abgebildet ist.

Wir verlassen nun den nach Reilingen führenden „Reilinger Weg“ und begeben uns auf den „Hockenheimer Weg“, der uns in südöstliche Richtung wieder zurück in Richtung unseres Ausgangspunktes führt.

Der „Hockenheimer Weg“ ist Teil eines Waldlehrpfades im Reilinger Eck. Der Waldlehrpfad bringt den Besuchern die historischen Nutzungen in der „Schwetzinger Hardt“ und die besonders schützenswerten Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume näher.

So führt uns unser Weg nach weiteren ca. 300 Metern an eine Streunutzungsfläche. Die Bauern gingen ab Mitte des 18. Jahrhunderts in den Wald, um dort Laub und Moos für die Einstreu in den Viehstall und als Dünger in der Landwirtschaft zu holen. Diese Entnahme der Streu führte zu einer Verarmung des Bodens und schuf Raum für heute vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Nach nur wenigen Schritten gelangen wir an die „Walldorfer Waldweide“. Hier wurde auf ca. 5 ha die alte Tradition der Waldweide in Maßen wieder aufgenommen. Hier soll sich wieder ein lichter, trocken-warmer Kiefernwald, wie er einst für die „Hardt“ typisch war, entwickeln. Restvorkommen bedrohter Tier- und Pflanzenarten wie die Heidelerche, der Ziegenmelker oder das Winterlieb haben dann die Chance, sich wieder auszubreiten oder nach und nach zurückzukehren.

Auf unserem Weg zurück Richtung Walldorf entdecken wir am Wegesrand einen nach historischen Vorbild nachgebauten „Kuhbrunnen“. Da der Grundwasserstand erheblich niedriger ist, als vor ca. 300 Jahren, muss der Ziehbalken eine Länge von 14 Metern und die Gabelauflage eine Höhe von ca. 3,50m Metern aufweisen. Zum Schutz von Kindern – die aus dem Brunnen Wasser mit einem historischen Holzeimer schöpfen können – hat man ein Gitter über dem Brunnenschacht angebracht.

Wir gehen nun noch ca. 300 Meter auf dem geschotterten Waldweg Richtung Walldorf, bevor wir im rechten Winkel nach links in einen Erdweg einbiegen. Diesem Erdweg folgen wir weitere ca. 300 Meter, bis wir auf den befestigten „Ketscher Weg“ treffen. Wir begeben uns nach rechts Richtung Süd-Osten.

Nach ca. 150 Metern entdecken wir direkt rechts am Wegesrand eine flache Senke, das „Sautrögel“. Die Namen der Wege und Schläge im Wald erzählen ihre eigene Geschichte. Man muss bei der Interpretation aber mit Vorsicht und Gründlichkeit zu Werke gehen, dann kann man viel von ihnen lernen. Das „Sautrögel“ ist dafür ein Paradebeispiel: Die flache Senke markiert nämlich heute noch die frühere Suhle namens „Sautrögel“. Als man noch Schweine in den Wald trieb, um sie dort weiden zu lassen, machten die Hirten auf ihrem Weg zur „Hinteren Sauweid“ an dieser Stelle Rast. Damit gaben sie auch den Sauen nach, die ungern längere Strecken am Stück gingen. Um das „Sautrögel“ herum lag die „Vordere Sauweid“.

Nach wenigen Minuten treffen wir auf einen jetzt wieder asphaltierten Waldweg, der uns nach links Richtung Waldrand führt. Bevor wir uns auf den Weg zum Waldrand begeben, sollten wir genau an der Schnittstelle „Ketscher Weg“/“Teerweg“ unseren Blick auf die dort erkennbaren Reste der einst höchsten Düne Walldorfs richten. Der sogenannte „Herzische Sandbuckel“ in der Abteilung „Herzogen Sandberg“ war früher die höchste Erhebung der Walldorfer Gemarkung mit 143 Metern. Dem Ort zugewandt war- durch den Windschatten bedingt – ein steiler Anstieg. Dort ragten die Wurzeln der Kiefern wie die der Mangrovenbäume aus dem Sand hervor. Hier hat die Dorfjugend während der Osterzeit ihre bunt gefärbten Eier in gegrabenen Sandrutschen Richtung Walldorf hinunterrollen lassen. 1934 wurde für den Autobahnbau der Wald abgeholzt und die Sandmassen für den Autobahnbau verwendet. Die heutige Höhe des „Herzogen Sandbergs“ beträgt 104 Meter.

Am Waldrand angekommen gelangt man diesem folgend nach ca. 400 Metern wieder zum Start- und Ausgangspunkt.

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